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März 2009
20.03.2009 Wertetransfer
21.03.2009 Journalismus
zurück zum Verweis zur nächsten Überschrift Transferwährung PED anspruchslose Entlohnung
 

 
Wo noch Redakteure an der Arbeit sind, versuchen sie nun, nicht mehr primär für menschliche Leser zu schreiben, sondern für die Maschine. Texte werden so geschrieben, dass Google sie findet, mit schlichten Schlüsselworten im Titel und einfachen zugehörigen Umgebungs-Begriffen im Text. Google versteht beispielsweise keine Wortspiele oder andere elegante Formen des Formulierens. Was bisher einen guten Text ausgezeichnet hat, wird im Google-Universum zum Manko. Platte Texte findet Google gut. Hier wird der Mangel gerade zum System erhoben. (3)
 

 
Klassisch ist das Problem, wie man humanbiologische Abbauprodukte zu Gold oder besser zu Geld macht. Das schwedische Unternehmen MindArk verspricht mit seiner Tochter Mindbank und den von ihr verwalteten Project Entropia Dollars - PED - eine einfache Lösung (1). Es handelt sich quasi um eine Wechselstube, in der reales zu virtuellem Geld und - noch wichtiger - umgekehrt gewechselt werden kann.

Das Besondere an der von MindArk entwickelten Version ist allerdings der Umstand, dass Spieler hier sowohl mit echten als auch mit virtuellen Gütern handeln können. Die virtuelle Währung ..., die dabei verdient wird, kann dann jederzeit auch in reales Geld umgewechselt werden. Zur Umrechnung wird der aktuelle Dollarkurs herangezogen, an den die PEDs fest im Verhältnis zehn zu eins gekoppelt sind. Außer den Ausgaben im Spiel fallen für den Nutzer aber keinerlei Kosten an.

Schon seit ein paar Jahren soll das Unternehmen jährlich 420 Mio. $ in diesem Geschäft umsetzen. Seine Aktivitäten will es jetzt auf andere Bankgeschäfte und vor allem auf das Kreditgeschäft ausdehnen.

Das ist konsequent, verständlich und eröffnet neue Perspektiven für die kriminelle Beutesicherung.
 

 
Die Journalisten der schwedischen Internetzeitung Nyheter24 werden nach der Häufigkeit bezahlt, mit der die Leser ihre Artikel anklicken (2).

Das Leserinteresse wird jedoch nicht vom Inhalt eines Artikels gesteuert, sondern von den Reizen, mit denen er beworben wird. Das kann der Name des Journalisten sein, mehr aber die Grafiken und die Reizworte, mit denen er angekündigt wird.

Zudem sagt das Klick-System nichts darüber aus, ob der Leser auch nur mehr als einen oberflächlichen Blick auf den Artikel geworfen hat. Es führt in letzter Konsequenz zum instinktorientierten Balz-Journalismus, dem es nur darum geht, die wirksamsten Themen und Aufreißer zu finden.

Das ist nur gut für die Werbeinteressen des Angebots und die Werbeindustrie, die es bezahlt. Mit Journalismus hat das nichts mehr zu tun.

19.04.2009: Peter Glaser schreibt über Klingelschilder und Papierschnaps und wütet über die Unsitte, für Google und nicht mehr für die Leser zu schreiben [siehe Kasten links, (3)].
 

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(1) Echtes Geldinstitut macht Geschäfte in virtueller Online-Welt, tecchannel 20.03.2009
 

 
(2)  Thomas Pany, Schweden: Gehalt nach Klicks, Telepolis 20.03.2009

(3) Peter Glaser, Die digitale Mängelwelt, Technology Review 17.04.2009
 

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© Dieter Kochheim, 29.07.2009