Web Cyberfahnder
  Cybercrime    Ermittlungen    TK & Internet    Literatur    intern    Impressum 
September 2010
07.09.2010 Meldungen
     
zurück zum Verweis zur nächsten Überschrift beachtliche Allianz Reizwort: Vorratsdatenspeicherung

 
"Schadprogramme können nicht nur Rechner lahmlegen, sondern spähen vermehrt digitale Identitäten aus", betonte Dieter Kempf vom Bitkom. 7 Prozent der deutschen Nutzer (3,5 Millionen) seien bereits Zugangsdaten für Online-Dienste, Shops und E-Mail-Konten gestohlen worden. 5 Prozent der Internet-Nutzer (2,5 Millionen) sollen sogar einen finanziellen Schaden durch Datendiebstähle oder Schadprogramme erlitten haben. (1)
 

Den Hauptgrund für steigende Phishing-Zahlen sieht das BKA in neuen Schadprogrammen, die anspruchsvolle Sicherungsmechanismen überwinden. Der Bot ZeuS sei beispielsweise ein Vertreter dieser Generation ausgefeilter Banking-Trojaner, die neben Online-Banking-Daten auch Kreditkartendaten und Zugangsdaten ausspionieren. (1)
 

10-09-11 
BKA und Bitkom wenden sich mit einer gemeinsamen Erklärung an die Öffentlichkeit und warnen vor 17 Millionen € Schäden durch Phishing im ersten Halbjahr 2010 (1). Während 2009 nur 38 % aller privaten Rechner virenverseucht waren, sind es jetzt bereits 43 % (2).

Über die Bedrohungspotentiale von Botnetzen, ZeuS, die Ausspähung aller möglichen persönlichen Daten hat der Cyberfahnder längst berichtet. Warum ist die gemeinsame Meldung der höchsten strategischen Polizeibehörde und des rührigen Branchenverbandes eine Meldung wert? Eben deshalb, weil sie die Problembeschreibungen mit Zahlen anreichern.

Zu den Phishing-Schäden kommen noch die 17.072 Skimming-Fälle aus dem vergangenen Jahr (3), die die Finanzwirtschaft mit zusammengebissenen Zähnen auch noch trägt, weil sie sonst gleich ganz einpacken könnte, weil ihr keiner mehr traut und schon gar kein Geld an. Die Kosten für die Schadenskompensation wird still und heimlich umgelegt und das merkt dann keiner - so direkt und schmerzhaft.

Die Warnungen sind wichtig, kommen vielleicht etwas zu spät und bleiben deshalb hilflos, weil die Konsequenzen längst nicht ausgelotet und gezogen sind. Es sind nicht nur die Anwender, die sich unzureichend um ihre Sicherheit kümmern, sondern vor allem die "e"-Organisationen in Staat, Gesellschaft und ganz besonders Wirtschaft, die im Internet ihr Heil suchen, ohne die Konsequenzen leichtfertigen Handelns zu betrachten und abzuwenden. Onlinebanking ist in diesem Zusammenhang eine schöne Sache, hat ganz viele Arbeitsplätze im F2F-Verkehr (4) eingespart und jetzt haut die kriminelle Keule aus allen ungesicherten Stopflöchern.

Der schnelle Profit und die kurzfristige Kosteneinsparung führen zu okularen (5) Dollaranzeigen. Es ist an der Zeit, Geld in die Hand zu nehmen und Sicherheitsstrategien nicht nur zu entwickeln, sondern umzusetzen.
  

10-09-12 
Dazu gehört auch eine effektive Strafverfolgung, die das BKA an anderer Stelle anmahnt (6), wenn es etwa und zu recht um die Vorratsdatenspeicherung geht: "60 Prozent der Ermittlungen gehen ins Leere", sagte Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamts.

Während die entrüsteten Abzocker Bestandsdaten im Onlineverfahren oder jedenfalls aus ihrer Lauschposition heraus mit zeitlicher Nähe abfragen (7), kann die Strafverfolgung, wenn sie die Öffentlichkeit nicht permanent nach verdächtigen Aktivitäten überwachen will (8), nur mit Zeitverzug aktiv werden. Gegenwärtig sieht es ganz schlecht aus mit der Rechtsstaatsgewährung im Bereich der einfachen und mittleren Kriminalität im Internet.
 

Schweiz rüstet gegen den Cyberwar
10-09-13 
Nicht nur ich warne vor dem Cyberwar (9), sondern ganz besonders auch die Eidgenossen (10). Er ist aktuell gefährlichste Bedrohung für  das kleine Land.
 
Scareware mit Browser-Weiche

10-09-14 
Mit dieser Überschrift warnt vor der zunehmenden Intelligenz von betrügerischer Malware (11), die zwar nicht unmittelbar schädlich ist, aber Angst machen und dadurch zur bereitwilligen Zahlung von Lösegeld für nichtsnutzige Anti-Pseudo-Probleme animieren soll.

Scareware (12) greift an mindestens zwei gefährlichen Punkten ein, dort, wo sie sich zeigt, und dort, wo der Anwender unbedacht neue Software lädt. Dass dabei alles an Schindluder transportiert werden kann, wissen wir (Ordensschwestern).

Weitere Kommentare in die Richtungen Anwender, Anbieter und Lobbyblower erspare ich mir.
  

zurück zum Verweis Anmerkungen
 


(1) BKA und Bitkom: 17 Millionen Euro Schäden durch Phishing, Heise online 06.09.2010

(2) BKA, BITKOM, Online-Kriminelle gehen immer raffinierter vor, BKA 06.09.2010

(3) Geldwäsche in der Underground Economy, 05.09.2010

(4) F2F meint: Face to Face, also den direkten Kundenverkehr.

(5) Schön wäre auch das Wort "augenblicklichen" gewesen, aber der Doppelsinn wäre auf der Strecke geblieben.
 

 
(6) BKA: Fehlendes Gesetz lähmt Internet-Ermittlungen, Heise online 06.09.2010

(7) Abmahnungs-Abwehr, 04.09.2010

(8) Um das klarzustellen: Ich will keine permanente Überwachung des Internets auf kriminelle oder sonstwie schädliche Aktivitäten. Sie wäre auch Blödsinn, weil sie immer nur auf Schemata für gefährliche Aktivitäten reagieren kann. Solche gibt es, wenn sie sorgfältig entwickelt und wegen ihres Aussagewertes ebenso sorgfältig hinterfragt werden. Dann wiederum macht sie Sinn. Sorgfältig hinterfragt.

(9) Cisco-Kaskade, 04.09.2010

(10) Armeechef sieht Cyberwar als größte Gefahr für die Schweiz, Heise online 07.09.2010

(11) Scareware jetzt mit Browser-Weiche, Heise online 07.09.2010

(12) Scareware und organisierte Cybercrime, 15.08.2010
 

zurück zum Verweis Cyberfahnder
© Dieter Kochheim, 17.09.2010