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März 2012
09.03.2012 Domains
zurück zum Verweis .com und der Rest
 

Den Aussagewert von Domain-Zahlen darf man nicht überbewerten.
Die Länderdomänen Chinas und Russlands bewegen sich jedoch gegen den Trend.
Das lässt einen politischen Grund vermuten.

Faszinierend: Um monatlich 1 Million weitere Namen legt die .com-Domain zu, im Vormonat deutlich mehr, im Februar etwas weniger. Gegen diese beschreibende, kommerzielle Domain kann keine andere anstinken. Keiner weiß jedoch genauer, wieviele Domains einfach nur registriert und geparkt oder als Weiterschaltungen zu einer Stamm-Domain eingerichtet sind. Zahlen über die aktiven Domains gibt es nicht und es gäbe auch große Probleme, sie genau zu definieren.

Der Cyberfahnder befindet sich unter der Obhut der kochheim.de-Domain in dem Unterverzeichnis /cf (kochheim.de/cf). Diese Domain ist die älteste, die ich registriert habe (Februar 1999). Drei andere verweisen genau auf dieses Unterverzeichnis. In erster Linie natürlich cyberfahnder.de und cyberfahnder.eu. Das Vorgängerprogramm war der EDV-Workshop und deshalb verweist als Weiterschaltung auch edv-workshop.de auf den Cyberfahnder. Allein an diesem Beispiel zeigt sich, dass drei Second Level Domains auf denselben Host schalten, der schließlich unter fremder Obhut steht (kochheim.de).

Ein anderes Beispiel: Der Heise-Verlag beherbergt nicht nur einen Nachrichtenticker
( Heise online), sondern auch noch drei Zeitungsprojekte ( c't, ix, Technology Review), ein redaktionelles Programm ( Telepolis) und mehrere Sparten, die im Wesentlichen das Eingangsportal beliefern und Sachthemengruppen bedienen.

Sie alle haben eigene Domainnamen, die auf Unterverzeichnisse von heise.de verweisen.

Der Nachrichtenticker von heise.de, alle drei Zeitungsprojekte und nicht zuletzt Telepolis haben die Qualität eines selbständigen Webauftritts, werden aber unter einem einheitlichem "Dach" präsentiert.

Die Beispiele zeigen, dass Webauftritte nicht zwingend unter einer eigenen Second Level Domain eingerichtet sein müssen, sondern auch in Subdomänen oder in Unterverzeichnisses. Im Zuge von Werbekampagnen ist es üblich geworden, für sie eine eigene und werbewirksame Domain einzurichten. Der Host dafür (Speicherort) ist dann jedoch grundsätzlich unter der Firmendomain angesiedelt. Hinzu kommen die inaktiven Domänennamen, die entweder gar nicht betrieben werden oder geparkt sind. Das heißt, dass unter dem Namen nur eine einfache Webseite betrieben wird, die zu anderen verlinkt ist oder sich zum Kauf anbietet.
 

.com (1)
.de
.net
.uk (2)
.org
.info
.nl (2)
.ru (3)
.eu
.biz
.cn (4)
.us
.at
101.382.266 + 946.769
14.894.180 + 70.988
14.626.900 + 122.062
9.929.743 + 19.908
9.879.500 + 89.493
8.370.019 + 90.705
4.879.159 + 34.586
3.676.692 + 55.707
3.564.756 + 25.773
2.212.287 + 16.986
2.156.170 - 119.801
1.771.305 + 12.632
1.118.277 + 10.282


Die Zahlen sagen deshalb nichts über die aktiv betriebenen Webauftritte aus, wohl aber über die Attraktivität eines Namensraumes und damit mittelbar etwas über die thematischen Aktivitäten aus, die unter ihm zu erwarten sind. Insoweit bleibt .com unschlagbar. Der Rest ist aber auch nicht unbeachtlich, weil von seinen Teilnehmern zwei knapp unterhalb der 15 Mio.-Grenze liegen und drei weitere in absehbarer Zeit die 10 Mio.-Grenze überschreiten werden. Im Februar 2012 meldete Österreich immerhin die Schnapszahl von 1.111.111 Namen und erreichte damit einen Achtungserfolg.

 Die deutsche Länderdomain .de führt noch immer das Verfolgerfeld an, hat aber nicht die Zuwachszahlen, um sich auf Dauer auf diesem Platz zu halten. Ich vermute, dass .de als erster Verfolger die 15 Mio.-Grenze erreichen und dann hoffnungslos von .net überholt wird. Ihren Platz als stärkste Länderdomain wird sie dennoch behalten. .uk, die zweitstärkste Länderdomain aus Großbritannien, wird zwar in einigen Monaten die 10 Mio.-Grenze überschreiten, was beachtlich ist, ist aber noch lange keine Gefahr für .de.

.org und .info legten im Februar jeweils mit rund 90.000 neuen Adressen zu. Beim gegenwärtigen Zwischensprint könnte es deshalb sein, dass .org die Länderdomain .uk überholt und vor ihr die achtstellige Grenze überschreitet.

Die niederländische .nl-Domain kämpft sich an die 5 Mio.-Grenze heran. Chakka!

Über die russische .ru-Endung verfügen jetzt 3.676.692 Internet-Adressen und das sind fast 56.000 mehr als im Vormonat.

Interessant ist wieder einmal ein Blick auf ihre
beiden Partner-Domänen. Mehr als im Vormonat
hat die kyrillische Endung .pФ verloren und das
sind fast 70.000 Namen. Das Ensemble hat
damit in der Summe fast 13.000 Namen
eingebüßt. Auch hier scheint ein größeres
Aufräumen stattzufinden, dessen Beweg- und
Hintergründe unklar bleiben.
ttt   Stand 02/2012
.ru 3.676.692 + 55.707
.pФ 783.058 - 69.610
.su 101.930 + 1.173

4.574.410 - 12.730

Die russische Realität pendelt zwischen den Machtspielen der drei großen Einflussgruppen - Oligarchen, Sicherheitsdienste und Diebe - und wirtschaftlicher Prosperität. Ich vermute, dass sich Putins Bemühungen auch gegen folkloristische Bewegungen unter der .pФ-Domain richten könnten, wobei ich zugeben muss, dass diese Aussage meinem Bauch geschuldet und frei von irgendwelchen Fakten ist.

Im Februar 2009 gab es 9.292.072 echte Second Level Domains unter der chinesischen .cn-Domain (4). Wer wohlwollend war, ich war es nicht (5), kam sogar auf 14.082.553 Namen unter Einschluss des Third Level-Bereichs. Im Mai 2009 begann China damit, unter der Domain .china landessprachliche Zeichen zu verwenden (6). Darüber erfährt man seither nichts mehr und die offiziellen Zahlen sinken monatlich, was jedenfalls die Zahlen für .cn betrifft.

Fast ein halbes Jahr lang wurde die Tabelle nicht aktualisiert (4). Jetzt weist sie gerade Mal 2.156.170 "echte" .cn-Domains für den Januar 2012 aus und das sind wieder knapp 120.000 weniger als im Dezember 2011 (2.275.971). Auch die "wohlwollende" Einbeziehung der Namen im Third Level-Bereich summiert sich nur noch auf 3.360.360, ändert nichts an der Platzierung und das sind auch wieder knapp 170.000 Namen weniger als im Dezember (3.528.511).

Man muss und kann das nicht verstehen, was im Fernen Osten passiert. China praktiziert einerseits eine strenge Zensur in Bezug auf Internet-Inhalte und fördert andererseits eine riesige Internetarmee, die sich aggressiv gegen Nachbarstaaten wendet und immer wieder im Zusammenhang mit großen Datenspionagen in Verbindung gebracht wird. Das kann auf Dauer nicht funktionieren, weil die inneren Spannungen und Forderungen nach Freiheit irgendwann nicht mehr durch Zwang und Gewalt im Zaum gehalten werden können. Die Domain-Zahlen belegen einfach nur einen fortwährenden Rückgang, der dem weltweitem Trend widerspricht und künstlich gefördert sein muss. Allein dieses Indiz gibt Anlass zu der Befürchtung, dass sich in China ein explosives Gegeneinander von staatlicher Macht und gesellschaftlichem Widerstand entwickelt, also ein Bürgerkrieg. Das scheint die staatliche Führung geanu so zu sehen, sonst würde sie die "Domain-Freiheit", die ein Indiz für wirtschaftliche und Meinungsfreiheit ist, nicht in diesem Maße angehen. 


(1) Domain-Newsletter #606, Statistik - .at feiert 1.111.111ste Domain, domain-recht.de 08.03.2012; siehe auch Vormonat.

(2) DeNIC, Domainzahlenvergleich international (Stand: Februar 2012).

(3)  stat.nic.ru (Stand: Februar 2012)

(4)  CnNIC, Domain Names Registered Under ".CN" (Stand: Januar 2012).

(5) Chinas Subdomänen, 10.05.2009

(6) Chinas Subdomänen, 10.05.2009 (Großzitat)
 

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© Dieter Kochheim, 09.03.2012