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November 2009
21.11.2009 Bundestrojaner
     
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 Dass böse Hacker zu guten Hackern werden und wie etwa der Autor des Sasser-Wurms anschließend in Sicherheitsunternehmen arbeiten, kommt öfters vor. Der umgekehrte Weg ist eher ungewöhnlich ... (1)
 
 

 
Daniel Bachfeld berichtet in von dem Gesinnungswandel eines gerade 'mal heranwachsenden Sicherheitsexperten aus Österreich (1), der noch unlängst Applaus für sein Windows-Bootkit Stoned erhalten habe, inzwischen aber offen gegen die Antivirenhersteller arbeite.

Das Glanzstück des zum Mr. Hyde (2) gewandelten Mannes ist ein Bootkit, das den ersten Startvorgang bei einem Rechner überwachen kann. Diese für sich gesehen neutrale Funktion kann dazu genutzt werden, Fremdeinflüsse von Malware zu erkennen und abzuwenden, aber auch selber als Malware missbraucht werden.

Diese Funktionalität hat er mit anderen Komponenten verbunden, die dadurch zur Onlinedurchsuchung eingesetzt werden können. Teile seines Programmpakets hat der Mann außerdem im Internet veröffentlicht. Wichtige Teile hält er jedoch zurück – und genau dafür sollen Interessierte zahlen. K. will durch den Verkauf seiner Software nach eigenen Angaben das Startkapital für sein eigenes Unternehmen sammeln. Offiziell betont K. zwar, er wolle nur Behörden sein Framework verkaufen. Stutzig macht allerdings, dass er in der Preisliste seines Bootkit-Frameworks möglichen Käufern Anonymität zusicherte – was bei Behörden eher ungewöhnlich ist. Seltsam ist zudem, dass K. nach eigenen Angaben selbst entschieden gegen Online-Durchsuchungen (mit Bundestrojanern) sein will, obwohl er unabhängig davon mit Stoned ein Tool entwickelt, was genau dies kann.
 

 
Schon im August 2009 wurde bekannt, dass ein Schweizer Programmentwickler den Quelltext einer Skype-Wanze veröffentlicht habe (3).

Die beiden Meldungen verbindet, dass Programmteile, die zur Onlinedurchsuchung bestimmt sind, in die Öffentlichkeit gelangten und hier für jeden Missbrauch zur Verfügung stehen.

Das soll nicht heißen, dass versierte Malware-Schreiber nicht selber in der Lage wäre, solche Werkzeuge zu entwickeln. Es wird ihnen jedoch leichter gemacht, sie können ihre Überlegungen und Lösungen mit den veröffentlichten abgleichen und die weniger versierten Trittbrettfahrer bekommen Futter, an das sie sonst niemals gekommen wären.

Die Meldungen werfen ein äußerst schlechtes Licht auf die beteiligten Software-Firmen, ihren Mängeln bei der Personalauswahl und ihrem Sicherheitsmanagement. Beide Vorfälle hätten nicht passieren dürfen.
 

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(1) Daniel Bachfeld, Vom Paulus zum Saulus. Ein ehemaliger Antivirenspezialist verkauft nun Malware, c't 25/2009

  Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde
 

 
(3) Skype-Wanze veröffentlicht
 
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© Dieter Kochheim, 22.11.2009