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Januar 2010 |
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universal soldiers | Kriegsgebiet Deutschland |
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Frank Schätzing hat dazu seine Meinung gesagt (1): Sie erledigen die Dreckarbeit, mit der die Krieg führenden Staaten nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Das US-amerikanische Sicherheitsunternehmen Blackwater hatte 2007 rund 1.000 Mitarbeiter im Irak im Einsatz. Sie bewachen nicht nur Politiker, Diplomaten und andere VIPs, sie übernehmen auch Aufgaben, die eigentlich die amerikanische Armee selbst ausführen sollte, aus Personalmangel aber nicht dazu imstande ist ... (2). Bei ihrem Einsatz kommt es auch 'mal zu kollateralen Schäden (3), wenn etwa Söldner bei der Sicherung eines Konvois 8 Zivilisten erschießen (4). Das war kein Einzelfall (5). Zwischen 2005 und 2008 soll Blackwater mindestens 1,2 Milliarden Dollar vom Pentagon erhalten haben (6). Das schließt den Auftrag mit ein, in Afghanistan hohe al-Qaida- oder Taliban-Führer zu töten (bevor die CIA ins Land kam) (7). Blackwater ist nicht das einzige Sicherheitsunternehmen, das derlei Dienste anbietet. Die Nachfrage ist groß (8). Allein im Irak sollen mehr als 190.000 Auftragnehmer (contractors) im Einsatz gewesen sein (9).
Um
Blackwater war es ruhig geworden, aber nur, weil das Unternehmen im
Februar 2009 zu Xe Services umbenannt wurde
(10). |
Bereits seit 1998 soll die CIA den Syrer mit deutscher Staatsangehörigkeit, Mamoun Darkazanli, im Verdacht gehabt haben, irgendwie an den al-Qaida-Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania beteiligt gewesen zu sein. Seither soll er unter der Beobachtung in- und ausländischer Geheimdienste gestanden haben. Seit 2004 soll sich die CIA zurück gezogen haben und Blackwater die Beobachtung der Zielperson überlassen haben, um die beste Gelegenheit zu finden, um ihn zu verschleppen oder zu töten (12). Dazu ist es zum Glück nicht gekommen. Mit ausschlaggebend dafür könnte das Verbot des BVerfG von 2005 gewesen, Darkazanli zur Strafverfolgung nach Spanien auszuliefern (13). Das BVerfG hat den Art. 16 Abs. 1 S. 1 GG in Erinnerung gerufen und den einschränkenden, seit 2000 geltenden Satz 2 seinerseits eingeschränkt. Danach dürfen Deutsche jedenfalls nicht wegen solcher Straftaten an andere europäische Länder ausgeliefert werden, die einen starken Inlandsbezug haben. Für ihre Verfolgung gilt § 7 Abs. 2 StGB. Die Selbstverständlichkeit, mit der sich die USA über die Souveränität anderer Staaten hinwegsetzt, ist immer wieder bemerkenswert. Mehr sei nicht gesagt. Den anderen Aspekt, die Privatisierung des staatlichen Gewaltmonopols, kennen wir auch hier, was es nicht besser macht. Martialisch ausstaffierte und auftretende Sicherheitsdienstler bewachen Unternehmen, öffentliche Räume und machen die Sicherheitskontrollen in Flughäfen. Ob sie dafür immer die richtige Ausbildung und Vertrauenswürdigkeit
haben, bleibt eine unbeantwortete Frage. |
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Tradition seit Pinkerton | literarische Reflexionen | |||
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Im 19. Jahrhundert wurde das Unternehmen besonders durch seine Selbstjustiz als Werkschutz berühmt. Myers (15) beschreibt die "Pinkertons" als bewaffnete Mietlinge: Meuchelmörder und andere wüste, gewissenlose Männer, die erbarmungslos schossen und töteten (16). Seine Leute wurden immer wieder auch als agents povocateur verdächtig. Schließlich verdanken wir dem Unternehmen den 1. Mai als internationalen Feiertag. Ursprünglich geht der 1. Mai auf Demonstrationen von Arbeitern im Jahr 1856 in Australien zurück, die den Acht-Stunden-Tag forderten (17). Weltweite Beachtung fand jedoch erst der erfolgreiche Aufruf zum Streik, der 1886 auf dem Heumarkt in Chicago erfolgte (18). Vier Tage später fanden die Demonstrationen ein blutiges Ende, dessen Hintergründe nie richtig geklärt wurden. Einer der Demonstranten soll eine Bombe gezündet haben, worauf es zur Eskalation mit mehreren Toten gekommen ist (19).
Nicht die
deutsche, wohl aber die englischsprachige
verrät
uns, dass die Provokation von den Pinkertons ausgegangen sein dürfte
(20). |
Der prominenteste Autor dürfte Arthur Conan Doyle sein, der die Detektei zu seinem Thema machte (22). Ich will die Bedeutung Doyles nicht schmälern, aber heftiger zu Gericht mit den Pinkertons und den Unternehmern, die sie beauftragten, geht Jack London (23). Er hat wunderschöne Abenteuerromane über den Goldrausch, die Seefahrt und die gebirgswäldlerische Einsamkeit geschrieben. Lange vor Wallraff und anderen Sozialreportern verbrachte er auch lange Zeit im Londoner East End und hinterließ einen Bericht, der beispielslos ist (24), weil er das Erlebte hautnah referiert. London ist, für seine Zeit nicht ungewöhnlich, aber gefährlich, ein Sozialrevolutionär. Mit der Eisernen Ferse von 1908 begibt sich London in die sozialistische Zukunft und blickt von dort zurück auf die Kämpfe der sozialen Revolution (25). Er lässt kein gutes Härchen an den Pinkertons - sie waren für ihn die Werkzeuge des Klassenfeindes. Kann man es ihm verdenken? Kerle, die gewissenlos sind und für Geld töten. Worin unterscheiden sie sich von den heutigen Söldnern? Haben sie heute mehr Gewissen? Diese Fragen kann ich nicht beantworten.
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Anmerkungen | ||||
(2) Thomas Pany, Persilschein für Blackwater? Telepolis 18.09.2007 (4) (2) (5) Chicago Tribune, Blackwater case in Iraq puts U.S. officials in vise, 18.09.2007 (6) Florian Rötzer, Outsourcing des Krieges, Telepolis Florian Rötzer 03.09.2009 (7) Florian Rötzer, Blackwater mit geheimen Tötungsauftrag in Pakistan für Obama? Telepolis 25.11.2009
(8)
Florian Rötzer, Privatisierung des Kriegs,
Telepolis 14.08.2008 (9) Andrew Tilghman, Massive Private Contractors' Role In Iraq Documented By New Congressional Report, TPMMuckraker 12.08.2008 (11) Florian Rötzer, Blackwater und die Killerkommandos der CIA, Telepolis 05.01.2010 (12) ebenda (11) |
(15)
Gustavus Myers, Money. Die großen amerikanischen Vermögen, 1916; (19) ebenda (18)
(20)
May Day parade and strikes; (21) Wirkung auf die Literatur
(22)
Arthur Conan Doyle, Das Tal der Angst, 1915;
(24)
Jack London, Volk am Abgrund;
(25)
Jack
London, Die eiserne Ferse, 1908, veröffentlicht bei
Nemesis; |
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Cyberfahnder | ||||
© Dieter Kochheim, 11.03.2018 |