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Dezember 2008
21.12.2008 Kabelbruch
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Jahreswende. Kabelende.

Kein ganzes Jahr ging ins Land nach den letzten nachhaltigen Kabelausfällen im Mittelmeer vor Ägypten (1). Sie stellen traditionell die physikalische Grundlage für die weltweite Kommunikation und das Internet zur Verfügung.

Jetzt scheinen wieder drei Seekabel auf der Strecke zwischen Marseille und Alexandria ausgefallen zu sein (2) und vermutet werden falsch platzierte Anker oder Schleppnetze (3). Das Mittelmeer, der Suezkanal und das Rote Meer sind klassische Handelsrouten, an denen entlang die Seekabel verlegt wurden. Sie sind von großer Bedeutung für die Callcenter in Ägypten und Indien, die ihre Dienste vor allem auch in Westeuropa anbieten. Jetzt werden die Datenströme über die USA, den Pazifik und über den Fernen Osten umgeleitet. Das kostet richtig Geld.

Ich liebe Verschwörungstheorien und weiß es besser: Die somalischen Piraten waren's. Sie haben die Kabel gekappt, um den Kriegsschiffen der EU zu entkommen!
 

 
Ernsthaft: Die technische Infrastruktur des Internets ist inzwischen eine Kritische Infrastruktur, deren Ausfall wirtschaftliche Schäden und Sicherheitsprobleme großen Ausmaßes verursachen kann. Die wiederholten Kabelausfälle im Mittelmeerraum sind alarmierend, weil sie die Anfälligkeit des Systems zeigen. Sie verlaufen entlang den ältesten Seerouten (aus europäischer Sicht). Das ist auch sinnvoll, um dem Hochseefischfang nicht in die Quere zu kommen. Er wird sich kaum von Kupferkabeln und Glasfasern beeindrucken lassen, wenn er die letzten nicht überfischten Gebiete abgrast. Aber auch die Handelsschifffahrt hat ihre eigenen Interessen, hinter denen alle anderen und besonders die der Strippenzieher zurück stehen.

Die Einser-Tiers werden sich alsbald neue Strategien zum aktiven Schutz ihrer Infrastruktur einfallen lassen müssen. Kabel legen und warten, bis kaputt, könnte als Strategie tödlich sein.
 

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(1) 4 Seekabel im Nahen Osten gestört, TAT-14 beschädigt?

(2) SEA-ME-WE-4

(3) Seekabelausfälle im Mittelmeer, Heise online 19.12.2008
 

 

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© Dieter Kochheim, 29.07.2009